Zertifizierungsstandards für nachhaltiges Palmöl

Zertifizierungsysteme

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die vom FONAP akzeptierten Zertifizierungssysteme. 

RSB Roundtable on Sustainable Biomaterials

Der Roundtable on Sustainable Biomaterials (Runder Tisch für Nachhaltige Biomaterialien -RSB) ist eine internationale Initiative, welche Produzenten, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Experten, Regierungen und zwischenstaatliche Gesellschaften zusammenbringt, um die nachhaltige Produktion und Verarbeitung von Biomaterialien voranzutreiben. Derzeit zählt der RSB rund 100 Mitglieder.

Der RSB wurde im Jahr 2007 als „The Roundtable on Sustainable Biofuels" gegründet, um die Nachhaltigkeit von Bioenergie zu fördern. Um der steigenden Nachfrage nach Biomaterialien gerecht zu werden, wurde der Runde Tisch Anfang 2013 in „The Roundtable on Sustainable Biomaterials" umbenannt. Als Biomaterialien bezeichnet man Produkte, welche aus Biomasse hergestellt werden. Hierzu zählen Bioenergie wie flüssige Biokraftstoffe, aber auch Biomasse und Biogas für die Wärme- und Elektrizitätsherstellung. Auch Biokunststoffe und -Kosmetik, -Nahrungsmittelzusatzstoffe, biobasierte Chemikalien oder Biokraftstoffe zählen zu Biomaterialien.
Seit 2011 vergibt der Roundtable on Sustainable Biomaterials einen Standard für nachhaltig produzierte und verarbeitete Biomasse, Biokraftstoffe und Biomaterialien, welcher auf 12 Prinzipien und 39 Kriterien beruht.
Folgende 12 Prinzipien müssen von den RSB-Mitgliedern eingehalten werden:

  1. Legalität
  2. Planung, Monitoring und kontinuierliche Verbesserung
  3. Treibhausgas-Emissionen
  4. Arbeits- und Menschenrechte
  5. Ländliche und soziale Entwicklung
  6. Lokale Ernährungssicherung
  7. Umweltschutz
  8. Boden
  9. Wasser
  10. Luft
  11. Nutzung von Technologien, Input und Abfallmanagement
  12. Landrechte

Weitere Informationen zur Arbeit, den Kriterien und Anforderungen des RSB finden Sie hier.

RSPO Roundtable on Sustainable Palm Oil

Der 2004 auf Initiative des WWF gegründete Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist ein internationaler Zusammenschluss aus Palmölproduzenten, Händlern, Industrieunternehmen, Banken und Nichtregierungsorganisationen. Der RSPO wurde mit dem Ziel gegründet, einen nachhaltigen Standard für Palmöl zu entwickeln und das Engagement der verschiedenen Interessensgruppen zu bündeln sowie weiter voranzutreiben. Die Interessengruppen entstammen sieben unterschiedlichen Sektoren der Palmölindustrie: Palmölproduzenten, Palmöl verarbeitende Industrie und Händler, Hersteller von Konsumgütern, Einzelhändler, Banken und Investoren sowie Nichtregierungsorganisationen mit umwelt- und sozialem Hintergrund. Das FONAP erkennt RSPO als einen Mindeststandard zur Erfüllung der Selbstverpflichtung der FONAP-Mitglieder an und war 2017/18 am Überarbeitungsprozess des Produktionsstandards RSPO Principles & Criteria aktiv beteiligt.

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) wurde 2004 auf Initiative des World Wildlife Fund for Nature (WWF), der Malaysian Palm Oil Association (MPOA), Unilever, Migros und AAK gegründet. Der RSPO ist eine internationale gemeinnützige Mitgliederorganisation, deren Ziel es ist, die verschiedenen Akteure der Palmölindustrie zu vereinen, um das Wachstum und die Verwendung von nachhaltigem Palmöl durch einen glaubwürdigen globalen Standard zu fördern. Die Interessenvertreter kommen aus sieben Bereichen der Palmölindustrie: Palmölproduzenten, Verarbeiter und Händler, Konsumgüterhersteller, Einzelhändler, Banken/Investoren sowie ökologische und soziale Nichtregierungsorganisationen.

 Seit 2008 sind erste Mengen zertifiziertes Palm(kern)öls kommerziell verfügbar. Im Jahr 2020 waren rund 3,1 Millionen Hektar Palmölplantagen RSPO zertifiziert. Dies entspricht fast 15 Prozent der weltweiten Palmölanbaufläche. Kein anderes Zertifizierungssystem hat diese Reichweite. Der RSPO hat weltweit mehr als 5000 Mitglieder. Deutschland ist mit fast 500 Mitgliedern eines der am stärksten vertretenen Länder im RSPO (insgesamt fast 500 Mitglieder).

Der RSPO Standard hat seit 2018 sieben Prinzipien und 40 praktische Kriterien (RSPO P&C) zur Definition einer nachhaltigen Produktion von Palmöl entwickelt. Dieser basiert auf der RSPO Theory of Change und fokussiert sich auf die drei Wirksamkeitsziele „Prosperity, People and Planet“. Diese globalen Richtlinien sollen gewährleisten, dass die Grundrechte der indigenen Landbesitzer, der Gemeinschaften vor Ort, der Mitarbeiter in den Anbaubetrieben, der Kleinbauern und deren Familien respektiert und in vollem Umfang berücksichtigt werden.

Im Jahr 2007 entwickelte der RSPO die erste Reihe von Prinzipien und praktische Kriterien (RSPO P&C), die alle fünf Jahre überprüft werden. Die RSPO-Prinzipien und -Kriterien 2018 bestehen aus sieben Grundsätzen, die eine nachhaltige Palmölproduktion definieren. Diese globalen Leitlinien sollen sicherstellen, dass die grundlegenden Rechte von indigenen Landbesitzern, lokalen Gemeinschaften, Plantagenarbeitern und Kleinbauern und ihren Familien respektiert und in vollem Umfang berücksichtigt werden. Die Mitglieder des RSPO verpflichten sich außerdem, dafür zu sorgen, dass keine weiteren Regenwaldgebiete oder Gebiete mit hohem Naturschutzwert für die Palmölproduktion gerodet werden. Die Grundsätze und Kriterien legen auch fest, dass die Mühlen und Farmen ihre Umweltauswirkungen auf ein Minimum beschränken müssen.

RSPO Prinzipien

Folgende sieben Prinzipien müssen von den RSPO-Mitgliedern eingehalten werden:

1.   Bekenntnis zu Transparenz und ethischem Verhalten

2.   Einhaltung von Gesetzen und sonstigen rechtlichen Bestimmungen, zum Beispiel die rechtmäßige Nutzung von Anbauflächen

3.   Bekenntnis zu langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit

4.   Respektierung von Gemeinschafts- und Menschenrechten

5.   Unterstützung der Inklusion von Kleinbauern

6.   Verantwortungsvolle Berücksichtigung der Rechte von Angestellten

7.   Schutz, Erhaltung und Verbesserung von Ökosystemen und Umwelt

 

Darüber hinaus verpflichten sich die Mitglieder des RSPO, dass keine weiteren intakten Naturwaldareale oder schützenswerte Gebiete für die Produktion von Palmöl gerodet werden. Nur bereits degradiertes Land und Buschland darf zur Anlage neuer Ölpalmplantagen umgewandelt werden. Zudem legen die Prinzipien und Kriterien fest, dass Mühlen und Anbaubetriebe ihre Umweltbelastungen so gering wie möglich halten.

Verbesserungen gibt es auch bei den Sozialstandards: Diese beinhalten nun Konventionen der International Labour Organization ILO zu Kinderschutz, Zwangsarbeit, Organisationsfreiheit bei Verhandlungen oder faire und gleiche Bezahlung. Konkrete Beispiele umfassen eine formale Richtlinie zum Kinderschutz mit einem dokumentierten Prozess zur Alterserfassung sowie Mitarbeiterschulungen zu Kinderschutz in Plantagen und Kleinbauernflächen.

ISCC International Sustainability and Carbon Certification

Der International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) Standard wurde im Jahr 2006 in einem Multi-Stakeholder Prozess mit Vertretern aus der Landwirtschaft, der verarbeitenden und veredelnden Industrie, Händlern sowie ökologisch und sozial agierenden Nichtregierungsorganisationen entwickelt. Der Standard hat das Ziel, ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien für alle Arten von landwirtschaftlichen Rohstoffen zu etablieren.

Unter anderem wird die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen der Europäischen Union (
Erneuerbare Energien Richtlinie - EU RED) sowie der deutschen Bundesregierung (Deutschen Biokraft- und Biostrom-Nachhaltigkeitsverordnungen - Biokraft-NachV) im Bereich Biomasse und -energie mit Hilfe des International Sustainability and Carbon Certification-Standards (ISCC) überprüft. Darüber hinaus kann der Standard auch für die Zertifizierung von nachhaltigem Palm(kern)öl genutzt werden (ISCC PLUS).

Der ISCC-Standard ist seit Juli 2010 in Deutschland anerkannt. Die Anerkennung durch die EU-Kommission (ISCC EU Standard) erfolgte im Juli 2011 für alle Arten von Biomasse und Biokraftstoffen weltweit. Das neue System ISCC PLUS wurde 2012 vorgestellt und bietet den bereits unter ISCC DE und ISCC EU zertifizierten Systemnutzern die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitszertifizierung auf andere Verwendungsbereiche wie Nahrungs- und Futtermittel auszuweiten. Heute gehört ISCC zu den erfolgreichsten Zertifizierungssystemen weltweit. Für mehr als 3.300 Systemnutzer wurden bereits über 21.000 Zertifikate in über 100 Ländern ausgestellt. 32 unabhängige Zertifizierungsstellen kontrollieren die Anforderungen des ISCC Standards. Die Interessen der unterschiedlichen Stakeholder werden im gemeinnützigen Verein ISCC e.V. mit derzeit 138 Mitgliedern (August 2020) gebündelt. Zum Stand August 2020 gab es rund 4.200 gültige Zertifikate.

Folgende sechs Prinzipien müssen für die Zertifizierung durch ISCC PLUS eingehalten werden:

  1. Schutz und Erhalt von Flächen (High Conservation Value, HCV) mit hoher Biodiversität oder hoher Kohlenstoffspeicherkapazität
  2. Landwirtschaftliche Produktion unter Einhaltung von guten landwirtschaftlichen Praktiken. Dies beinhaltet den Schutz der Bodenfruchtbarkeit, der Wasserqualität und -quantität, der Minderung von Emissionen sowie die Minimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln
  3. Sichere Arbeitsbedingungen durch Fortbildungsmaßnahmen, Verwendung von Schutzkleidung sowie angemessene und schnelle Hilfeleistung bei Unfällen
  4. Einhaltung der Menschen-, Arbeits- und Landrechte sowie Sicherstellung verantwortungsvoller Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand der Arbeitskräfte und der indigenen Bevölkerung
  5. Einhaltung der regionalen und nationalen Gesetzgebungen sowie relevanter internationaler Abkommen
  6. Einhaltung von Guten Management Praktiken

Weitere Informationen zur Zertifizierung mit ISCC PLUS finden Sie in unserem Factsheet.

RAINFOREST ALLIANCE Zertifizierung

Bereits in den 1990er Jahren entwickelte die Nichtregierungsorganisation Rainforest Alliance zusammen mit damaligen Partnerorganisationen im Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft – den sogenannten SAN-Standard. Mittlerweile ist das SAN aus der Zertifizierung ausgestiegen. Den SAN-Standard nutzt die Rainforest Alliance jedoch in überarbeiteter Form weiter.

Ende 2018 waren 7 Millionen Hektar Land und mehr als 2 Millionen Landwirte in über 60 Ländern durch die Rainforest Alliance zertifiziert.  Diese Farmen, darunter kleine Farmen in Familienbesitz kultivieren vor allem Kaffee, Kakao, Bananen, Tee, aber auch die Ölpalme. Um die verschiedenen Standards für einen nachhaltigen Ölpalmenanbau so weit wie möglich zu harmonisieren, hat sich die Rainforest Alliance nicht nur auf den eigenen Standard konzentriert. Sie war auch bei der Entwicklung des RSPO-Standards beteiligt und hat in Indien, dem weltweit größten Markt für Palmöl, zusammen mit dem „Centre for Responsible Business“ (CRB), WWF-India und RSPO die Einführung der „India Sustainable Palm Oil Coalition“ unterstützt.

Seit Juli 2020 hat die Rainforest Alliance ein neues Zertifizierungsprogramm, der verschiedene Anforderungen an eine nachhaltige Landwirtschaft sowie verantwortungsvolle Praktiken entlang der Lieferkette vereint. Dabei wird auf folgende Kernelemente besonderer Fokus gelegt:

  • Gemeinsame Verantwortung
  • Klimafreundliche Langwirtschaft
  • Menschenrechte
  • Abholzung
  • Artenvielfalt erhalten
  • Existenzsicherndes Einkommen / Existenzsichernde Löhne
  • Kontinuierliche Verbesserung
  • Risikobasierte Anforderungen und Qualitätssicherung

Übergreifende Ziele der Rainforest Alliance sind die Erhaltung der Artenvielfalt, die Sicherstellung eines in ökologischer und sozialer Hinsicht ausgeglichenen Wohlergehens und die Integration einer nachhaltigen Produktion in lokale und nationale Strategien. Aufklärung soll betrieben und Bewusstsein bei allen Verantwortlichen gefördert werden. Zudem will die Rainforest Alliance zu Dialogen zwischen Umweltschutz-, Sozial- und Wirtschaftsgruppen und -organisationen über die Vorteile einer nachhaltig ausgerichteten Landwirtschaft anregen.

Die Rainforest Alliance beschloss 2021 aus der Palmölzertifizierung auszusteigen und stoppt ihre Aktivitäten in diesem Bereich zum Jahresende 2022. Die Gültigkeit der letzten Palmölzertifikate erlischt im Juni 2023.

Weitere Informationen zu einer Rainforest-Alliance-Zertifizierung finden Sie in unserem Factsheet.

POIG Verifizierung

Die Palm Oil Innovation Group (POIG)
 
Die Palm Oil Innovation Group (POIG) ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, mit dem Ziel der nachhaltigen Palmölproduktion. Im Kern geht es um eine verantwortungsvolle Palmöl-Produktion entlang der gesamten Lieferkette. Das heißt, dass die Palmölproduktion ohne Zerstörung von Wäldern und Torfmooren, der Ausbeutung von Gemeinden und Arbeitern und dem Klimawandel einhergeht. POIG baut auf den RSPO-Standards auf und berücksichtigt zudem weitere soziologische und ökologische Aspekte.  Erreicht wird das durch Schaffung und Förderung von Innovationen. 

Dabei setzt POIG einen Fokus auf folgende drei Themenbereiche:

1. Umweltverantwortung

2. Partnerschaft mit Gemeinschaften unter Berücksichtigung von Arbeitnehmerrechten

3. Unternehmens- und Produktverantwortung

Die 2013 gegründete Initiative wurde in Zusammenarbeit mit führenden Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, WWF oder Orangutan Land Trust sowie führenden Palmölproduzenten und Verarbeitern entwickelt. Darunter Danone, Ferrero oder Musim Mas/ICOF. Die beiden letztgenannten sowie der WWF sind FONAP-Mitglieder! Aktuell hat POIG 12 Mitglieder. 

Mehr Informationen können Sie hier finden.