Trotz der genannten Herausforderungen ist der Anbau der Ölpalme nicht grundsätzlich schlecht. Die Ölpalme hat den höchsten Ertrag aller Ölpflanzen und produziert als einzige Nutzpflanze zwei verschiedene, für die Industrie interessante Öle: Palmöl und Palmkernöl. Die Ölpalme nimmt den geringsten Teil der gesamten Anbaufläche für die weltweite Öl- und Fettgewinnung ein, stellt mit etwa 32 Prozent gleichzeitig aber den größten Anteil der Gesamtproduktion. Sonnenblumen, Kokos oder Soja – ihr Flächenertrag ist im Durchschnitt drei Mal geringer als der von Palmöl. Ein Ersatz durch andere Pflanzenöle würde daher nicht zu den gewünschten Zielen führen, sondern das Problem lediglich verlagern und teilweise sogar verschlimmern. Soja und Kokosnuss beispielsweise wachsen in den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen. Für ihren Anbau würden mehr Flächen benötigt, es entstünden mehr Treibhausgasemissionen und es wären mehr Arten bedroht. Auch das wichtigste europäische Pflanzenöl, das Rapsöl, könnte die steigende globale Nachfrage nach Pflanzenölen nicht decken. Die gute Flächenleistung ist angesichts der steigenden Weltbevölkerung und des wirtschaftlichen Wachstums der Verbraucherländer wichtige Voraussetzung, um der steigenden Nachfrage nach Pflanzenölen begegnen zu können.
Für eine nachhaltige Produktion von Palmöl ist vor allem wichtig, dass die für den Anbau der Ölpalme genutzten Flächen nicht zu Lasten der Umwelt umgewandelt werden. Die Einhaltung der Guten Agrarwirtschaftlichen Praxis ist eine der Säulen für diesen Anbau. Dieser sollte ausschließlich auf Brachflächen und landwirtschaftlich nutzbarem Land und Flächen erfolgen, um die Gefahr der Freisetzung von Kohlenstoff zu minimieren. Hier stehen vor allem die Regierungen in den Anbauländern in der Pflicht, die das Problem der Landnutzung aufgreifen müssen. Darüber hinaus stehen aber auch Produzenten und Verbraucher entlang der gesamten Lieferkette in der Verantwortung. Denn, damit Europa bei der Nutzung von zertifiziertem Palmöl eine Vorreiterrolle einnehmen kann, braucht es die steigende Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl. Auf diese Weise werden Anreize für die Produzenten geschaffen, die nachhaltige Produktion weiter auszubauen.
In den Anbauländern selbst ist die Palmölproduktion ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Der internationale Handel mit Palmöl bringt den Ländern wertvolle Devisen ein. Darüber hinaus schafft die nicht mechanisierte Ernte der Palmfrüchte¸ die etwa 15 Mal im Jahr möglich ist, zahlreiche wichtige Arbeitsplätze. Diese werden vor allem in den ländlichen, häufig strukturschwachen Regionen angeboten.
Klar ist aber auch, dass Feldarbeiter einen Mindestlohn beziehen und internationales Arbeitsrecht eingehalten werden müssen. Ebenso sind eine Einbindung und die Förderung von Kleinbauern, die einen Großteil des weltweiten Palmöls produzieren, sowie ein Verbot von Kinderarbeit auf den Plantagen notwendig.
Ölpalmen werden sowohl auf großen Plantagen als auch in kleinen Familienbetrieben angebaut. Die Herausforderung eines nachhaltigen Anbaus besteht darin, den größtmöglichen Ertrag zu erzielen und die Natur gleichzeitig so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Aufgrund der weltweiten Kritik an den Praktiken im Ölpalmanbau haben sich in den letzten Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme entwickelt. Hierzu gehören neben dem verbreitetsten Zertifizierungssystem, dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), die Rainforest Alliance, International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) und der Roundtable on Sustainable Biomaterials (RSB).
Ziel dieser Systeme ist es, den Anbau von Ölpalmen durch eine Vielzahl von Kriterien und Vorgaben insgesamt nachhaltiger zu gestalten und so Regenwaldabholzung, Brandrodung und Menschenrechtsverletzungen im Palmölanbau zu verhindern. Die Nachhaltigkeitskriterien der Zertifizierungssysteme gewährleisten, dass die Grundrechte der indigenen Landbesitzer, der Gemeinden vor Ort, von Mitarbeitern in den Anbaubetrieben, Kleinbauern sowie deren Familien respektiert und berücksichtigt werden. Zertifizierungssysteme tragen zu einer größeren Transparenz in der Wertschöpfungskette bei und helfen, den Dialog über nachhaltiges Palmöl zu stärken.
Darüber hinaus dürfen Pestizide beim Anbau der Ölpalmen künftig nur in einem sehr geringen Maße eingesetzt werden. Zertifizierungen sollen zudem garantieren, dass keine Regenwaldareale oder schützenswerten Gebiete für die Produktion von Palmöl umgewandelt werden – Mühlen und Anbaubetriebe müssen ihre Umweltbelastungen so niedrig wie möglich halten. Flankierende Maßnahmen wie Trainings von Kleinbauern, die Unterstützung beim Aufbau von Organisationen und die Einbeziehung von Regierungen sind ebenfalls ein wichtiger Hebel von Zertifizierungssystemen in Schwellen- und Entwicklungsländern.
So weitreichend die Vorgaben der verschiedenen Zertifizierungssysteme in einigen Bereichen sind, so zeigen sich in der Umsetzung häufig noch Schwächen. Die verschiedenen möglichen Handelswege – insbesondere der Kauf von Zertifikaten – bieten Unternehmen noch nicht ausreichend Anreiz, auf das striktere System der Segregation umzustellen. Kriterien und Indikatoren, die von zertifizierten Plantagen und Mühlen geprüft werden, sind oftmals noch nicht strikt genug, um den Zielen und Ansprüchen von RSPO, ISCC, RSB oder der Rainforest Alliance gerecht zu werden. Dies gilt insbesondere auch für die Umsetzung des Beschwerdeverfahrens im Falle von Verletzungen der Kriterien. Darüber hinaus ist die Prüfung der Zertifizierung durch unabhängige Auditoren uneinheitlich und hat Schwachstellen.
Klar ist, dass freiwillige Zertifizierungssysteme die Probleme im Palmölsektor nicht alleine lösen können, da die Umsetzung der Kriterien gesetzlich nicht verpflichtend ist. Sie garantieren lediglich die Einhaltung selbstgesetzter Regeln auf den Flächen ihrer freiwilligen Mitglieder. Zudem sind Zertifizierungen häufig mit hohen Investitionen verbunden, die das Engagement für nachhaltiges Palmöl insbesondere von Kleinbauern erschweren.
Trotz aller Kritik an den Zertifizierungssystemen entscheiden Unternehmen weltweit immer häufiger, ihre Verantwortung in der globalen Lieferkette wahrzunehmen und ausschließlich zertifiziertes Palm- und Palmkernöl einzukaufen. Zertifizierungssysteme tragen zur einer verbesserten vor Ort bei: Die nachhaltige und zertifizierte Produktion von Palmöl zahlt sich vor allem für Kleinbauern spürbar aus. Verbesserte Anbau- und Erntemethoden helfen, die Erträge zu steigern. Da sich auch die Qualität der Palmfrüchte verbessert, können die Palmölbauern höhere Einkommen erwirtschaften. Palmöl bietet durch seine sehr guten Marktaussichten und die hohen Gewinne pro Fläche daher positive Einkommenschancen für den ländlichen Raum und damit auch für die Kleinbauern. Durch die Nachhaltigkeitszertifizierung wird der internationale Marktzugang ermöglicht. Auch das erhöht die Beschäftigungs- und Einkommenschancen im ländlichen Raum in den Produzentenländern. Zertifizierungssysteme sind damit ein wichtiger Schritt hin zu verbesserten und nachhaltigen Praktiken im Palmölsektor.
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