Herausforderungen bei der Produktion von Palmöl

Herausforderungen

Herausforderungen im Palmölanbau

Aufgrund der großen Nachfrage nach Palmöl hat sich der Anbau von Ölpalmen im Vergleich zu (allen) anderen Agrarrohstoffen in den vergangenen zehn Jahren am weitesten ausgebreitet. Die damit verbundenen Landnutzungsänderungen, vor allem aber die daraus resultierenden Effekte auf die Umwelt sind daher viel diskutierte Themen in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Und tatsächlich finden sich klare Gründe für eine Kritik an der Produktion von Palmöl: Ob Regenwaldabholzung, Ausstoß von CO2-Emmissionen oder Menschrechtsverletzungen, die negativen Auswirkungen der sich ausbreitenden Palmölplantagen sind beinahe genauso vielfältig wie die positiven Eigenschaften des boomenden Agrarrohstoffes.

Regenwaldzerstörung

Da Ölpalmen ausschließlich in tropischem Klima wachsen, wird für ihren Anbau oftmals großflächig Regenwald abgeholzt und Treibhausgasemissionen durch die Brandrodung freigesetzt. Vor allem Indonesien und Malaysia sind von der Abholzung betroffen: Hier werden rund 85 Prozent des weltweiten Palmöls angebaut. In Indonesien wurden allein in 2015 etwa 1,7 Millionen Hektar Regenwald gerodet. Geschätzt wird, dass mehr als 50 Prozent der Entwaldung in Indonesien im ersten Jahrzehnt des Millenniums auf Palmöl zurückzuführen ist. Indonesien weist damit die höchste Entwaldungsrate im weltweiten Vergleich auf. Da brach liegende, potentiell aber geeignete Flächen in Südostasien langsam erschöpfen, weiten Investoren und Palmölkonzerne die Palmölproduktion zunehmend in ihrem Herkunftsgebiet Westafrika sowie in Lateinamerika aus.

Die Produktion von Palmöl trägt damit entscheidend zum Artensterben bei. Neben dem vom Aussterben bedrohten Orang-Utan sind von der Zerstörung der Regenwälder viele weitere Arten betroffen. Forscher der Queen Mary University of London konnten am Beispiel der Fledermaus zeigen, dass der Plantagenanbau durch die ständige Zerstückelung und Zerstörung tropischer Urwälder katastrophale Folgen hat. Speziell die Vielfalt von Tierarten, aber auch die genetische Vielfalt einer Art, gehen dabei verloren. Dies zeigen die 2013 in der Zeitschrift „Ecology Letters“ veröffentlichten Ergebnisse

Brandrodung für Palmöl

Eine Folge der Regenwaldzerstörung ist die Zunahme an Kohlendioxid in der Atmosphäre. Um die landwirtschaftlichen Flächen für den Palmölanbau nutzbar zu machen, werden diese häufig brandgerodet. Dabei setzen vor allem Torfböden gespeichertes Kohlendioxid in großen Mengen frei. NASA-Experten zufolge gelangten allein im Zeitraum August bis Oktober 2015 bis zu 600 Millionen Tonnen Treibhausgase durch die Brände in die Erdatmosphäre, in etwa die jährliche Emission von Deutschland. Dies hat dazu geführt, dass Indonesien mit drei Milliarden Tonnen inzwischen der weltweit drittgrößte Erzeuger von Treibhausgasen hinter den USA und China ist.

Die Brandrodung und damit einhergehende Luftverschmutzung haben häufig direkten Einfluss auf die Gesundheit der in den Anbaugebieten lebenden Menschen. In 2015 entwickelte sich in Folge der Brandrodung von Regenwäldern in Indonesien so starker Smog, dass in Malaysia und Singapur Warnungen aufgrund gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung ausgesprochen werden mussten. In der thailändischen Großstadt Songkhla etwa wurden in Folge der Brände im November 2015 rund 365 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen – der EU-Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm.

Menschenrechtsverletzungen auf Plantagen

Meldungen aus den Anbaugebieten insbesondere in Indonesien zeigen deutlich, dass der Anbau von Palmöl oftmals mit schlechten Arbeitsbedingungen, sozialer Ungerechtigkeit, Landkonflikten und damit mit massiven Menschenrechtsverletzungen einhergeht. Denn, Plantagenarbeiter leben mit ihren Familien oftmals auf den Palmölplantagen, häufig ohne Kontakt zum Leben außerhalb der Plantage. Umso wichtiger ist es daher, den dort lebenden Kindern u.a. Zugang zu Bildung zu ermöglichen und den Arbeitern Mindestlöhne zu zahlen. Häufig sind auch indigene Völker betroffen, die von ihren Ländern vertrieben und ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Wie die indonesische Menschenrechtskommission Komnas HAM berichtet, konnten von rund 5.000 gemeldeten Verletzungen der Menschenrechte in Indonesien im Jahr 2010 rund 30 Prozent mit dem Anbau von Palmöl assoziiert werden. (Brot für die Welt, 2011)

Verzicht auf Palmöl – eine Lösung?

Trotz der genannten Herausforderungen ist der Anbau der Ölpalme nicht grundsätzlich schlecht. Die Ölpalme hat den höchsten Ertrag aller Ölpflanzen und produziert als einzige Nutzpflanze zwei verschiedene, für die Industrie interessante Öle: Palmöl und Palmkernöl. Die Ölpalme nimmt den geringsten Teil der gesamten Anbaufläche für die weltweite Öl- und Fettgewinnung ein, stellt mit etwa 32 Prozent gleichzeitig aber den größten Anteil der Gesamtproduktion. Sonnenblumen, Kokos oder Soja – ihr Flächenertrag ist im Durchschnitt drei Mal geringer als der von Palmöl. Ein Ersatz durch andere Pflanzenöle würde daher nicht zu den gewünschten Zielen führen, sondern das Problem lediglich verlagern und teilweise sogar verschlimmern. Soja und Kokosnuss beispielsweise wachsen in den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen. Für ihren Anbau würden mehr Flächen benötigt, es entstünden mehr Treibhausgasemissionen und es wären mehr Arten bedroht. Auch das wichtigste europäische Pflanzenöl, das Rapsöl, könnte die steigende globale Nachfrage nach Pflanzenölen nicht decken. Die gute Flächenleistung ist angesichts der steigenden Weltbevölkerung und des wirtschaftlichen Wachstums der Verbraucherländer wichtige Voraussetzung, um der steigenden Nachfrage nach Pflanzenölen begegnen zu können.

Wie wird der Anbau der Ölpalme nachhaltiger gestaltet?

Für eine nachhaltige Produktion von Palmöl ist vor allem wichtig, dass die für den Anbau der Ölpalme genutzten Flächen nicht zu Lasten der Umwelt umgewandelt werden. Die Einhaltung der Guten Agrarwirtschaftlichen Praxis ist eine der Säulen für diesen Anbau. Dieser sollte ausschließlich auf Brachflächen und landwirtschaftlich nutzbarem Land und Flächen erfolgen, um die Gefahr der Freisetzung von Kohlenstoff zu minimieren. Hier stehen vor allem die Regierungen in den Anbauländern in der Pflicht, die das Problem der Landnutzung aufgreifen müssen. Darüber hinaus stehen aber auch Produzenten und Verbraucher entlang der gesamten Lieferkette in der Verantwortung. Denn, damit Europa bei der Nutzung von zertifiziertem Palmöl eine Vorreiterrolle einnehmen kann, braucht es die steigende Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl. Auf diese Weise werden Anreize für die Produzenten geschaffen, die nachhaltige Produktion weiter auszubauen.

In den Anbauländern selbst ist die Palmölproduktion ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Der internationale Handel mit Palmöl bringt den Ländern wertvolle Devisen ein. Darüber hinaus schafft die nicht mechanisierte Ernte der Palmfrüchte¸ die etwa 15 Mal im Jahr möglich ist, zahlreiche wichtige Arbeitsplätze. Diese werden vor allem in den ländlichen, häufig strukturschwachen Regionen angeboten.

Klar ist aber auch, dass Feldarbeiter einen Mindestlohn beziehen und internationales Arbeitsrecht eingehalten werden müssen. Ebenso sind eine Einbindung und die Förderung von Kleinbauern, die einen Großteil des weltweiten Palmöls produzieren, sowie ein Verbot von Kinderarbeit auf den Plantagen absolut notwendig.

Zertifizierung – Chance im Palmöl

Ölpalmen werden sowohl auf großen Plantagen als auch in kleinen Familienbetrieben angebaut. Die Herausforderung eines nachhaltigen Anbaus besteht darin, den größtmöglichen Ertrag zu erzielen und die Natur gleichzeitig so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Aufgrund der weltweiten Kritik an den Praktiken im Ölpalmanbau haben sich in den letzten Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme entwickelt. Hierzu gehören neben dem verbreitetsten Zertifizierungssystem, dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), die Rainforest Alliance, International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) und der Roundtable on Sustainable Biomaterials (RSB).

Ziel dieser Systeme ist es, den Anbau von Ölpalmen durch eine Vielzahl von Kriterien und Vorgaben insgesamt nachhaltiger zu gestalten und so Regenwaldabholzung, Brandrodung und Menschenrechtsverletzungen im Palmölanbau zu verhindern. Die Nachhaltigkeitskriterien der Zertifizierungssysteme gewährleisten, dass die Grundrechte der indigenen Landbesitzer, der Gemeinden vor Ort, von Mitarbeitern in den Anbaubetrieben, Kleinbauern sowie deren Familien respektiert und berücksichtigt werden. Zertifizierungssysteme tragen zu einer größeren Transparenz in der Wertschöpfungskette bei und helfen, den Dialog über nachhaltiges Palmöl zu stärken.

Darüber hinaus dürfen Pestizide beim Anbau der Ölpalmen künftig nur in einem sehr geringen Maße eingesetzt werden. Zertifizierungen sollen zudem garantieren, dass keine Regenwaldareale oder schützenswerten Gebiete für die Produktion von Palmöl umgewandelt werden – Mühlen und Anbaubetriebe müssen ihre Umweltbelastungen so niedrig wie möglich halten. Flankierende Maßnahmen wie Trainings von Kleinbauern, die Unterstützung beim Aufbau von Organisationen und die Einbeziehung von Regierungen sind ebenfalls ein wichtiger Hebel von Zertifizierungssystemen in Schwellen- und Entwicklungsländern.