Palmöl ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: Schätzungen des WWF zufolge enthalten rund 50 Prozent aller Produkte im Supermarkt Palmöl – von Waschmittel und Lippenstift über Eiscreme bis hin zu Wurstwaren. Ein großer Teil des global produzierten Palmöls landet zudem als Biokraftstoff in unseren Tanks.
Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme (Elaeis guineensis) hergestellt und bereits seit über tausend Jahren in der menschlichen Ernährung verwendet. Ursprünglich in Westafrika beheimatet, wird die Ölpalme heute nahezu in allen Tropenregionen der Erde angepflanzt. Hauptanbaugebiete sind Indonesien und Malaysia. Hier wurden im Jahr 2019 insgesamt rund 62,3 Millionen Tonnen Palmöl (IndexMundi, 2020) produziert. Allein in Indonesien wachsen die Ölpalmen auf 11,7 Millionen Hektar – das entspricht beinahe 70% der gesamten Anbaufläche Deutschlands. Allerdings nimmt ihre Verbreitung auch in Südamerika und Afrika immer mehr zu. IndexMundi zufolge ist die Palmölproduktion beispielsweise in Ecuador und Peru im letzten Jahr um über 7% jeweils gestiegen. Im Ranking der Palmöl-produzierenden Länder steht Ecuador damit auf Rang 9, Peru auf Rang 20.
Die Ölpalme ist eine vielseitig nutzbare Pflanze. Nach dem Anbau der Pflanze dauert es etwa drei bis fünf Jahre bis sie kommerziell voll nutzbar ist. Nach etwa vier bis sechs Jahren stabilisiert sich der Ertrag, erst ab dem 21. Jahr geht die Produktion langsam zurück. Die alten Palmen werden dann durch neue ersetzt. Eine adulte Ölpalme produziert ungefähr 15 Mal im Jahr Fruchtbüschel von mehr als 20 kg; die in großen und dichten Fruchtständen wachsen. Die hohe Produktivität der Ölpalme hat, neben anderen für die Industrie interessanten Eigenschaften, dazu geführt, dass diese heute die erfolgreichste aller Ölpflanzen ist: Mit durchschnittlich 3,69 Tonnen pro Hektar (t/ha) hat die Ölpalme den mit Abstand höchsten Ertrag aller Ölpflanzen (Auf der Ölspur, WWF). Zudem ist die Ölpalme robust und wenig anfällig für Schädlinge.
Sowohl aus dem Fruchtfleisch wie auch aus dem Kern der Ölpalmfrüchte werden wertvolle Öle gewonnen: Palmöl aus dem Fruchtfleisch und das feste Palmkernöl aus den Kernen der Früchte.
Palmöl wird aus dem gelblich bis orangefarbenen Fruchtfleisch gewonnen. Kurz vor der Ernte ist der Ölgehalt der Früchte am höchsten: Dann beträgt er zwischen 45 und 50 Prozent. Nach der Ernte werden die reifen Früchte sterilisiert und gepresst. Dabei entsteht das rohe Palmöl (Crude Palm Oil, CPO).
Palmöl vereinigt viele positive Eigenschaften: Es weist bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz auf, muss also nicht chemisch gehärtet werden. Darüber hinaus ist es geschmacksneutral, sehr hitzestabil, extrem haltbar und macht Lebensmittel besonders streichfähig. Diese Eigenschaften erklären, warum Palmöl in Margarine, Fertigprodukten, Back- oder Süßwaren gleichermaßen verwendet wird. Zudem wird Palmöl auch für die Herstellung von Kerzen, Kosmetikprodukten oder Waschmittel genutzt. Aufgrund dieser einzigartigen natürlichen Eigenschaften lässt sich Palmöl daher kaum durch andere Rohwaren ersetzen.
Beinahe 72 Prozent des weltweit produzierten Palmöls werden in der Lebensmittelproduktion eingesetzt (IISD, 2020). Weitere 10 Prozent werden als Bioenergie genutzt. Die restlichen 18 Prozent finden sich in Kosmetikprodukten, Waschmitteln, Kerzen oder als Schmierstoffe in der Industrie.
Laut United States Department of Agriculture (USDA, 2020) wurden in 2019 weltweit rund 74 Millionen Tonnen Palmöl produziert – etwas mehr als 20 Prozent (15,58 Millionen Tonnen) davon stammen aus nachhaltiger Produktion. Dafür waren mehr als 23 Millionen Hektar Anbaufläche nötig. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der weltweiten Ackerfläche. Die weltweit größten Produzenten von Palmöl sind neben Indonesien und Malaysia, Thailand, Kolumbien und Nigeria. Allein Indonesien und Malaysia liefern rund 84 Prozent des Palmöls auf dem Weltmarkt.
Nach Indien (19 Prozent) ist die Europäische Union mit 15 Prozent und 7,3 Millionen Tonnen der weltweit zweitgrößte Importmarkt für Palmöl noch vor China (14 Prozent) (IndexMundi 2020). Das meiste Palmöl wird im weltweiten Vergleich in Indien (9,4 Millionen Tonnen) und Indonesien (6 Millionen Tonnen) durch Nahrung direkt konsumiert. Hier wird Palmöl traditionell vor allem zum Braten und Kochen verwendet. Die EU ist der weltweit drittgrößte Verbraucher von Palmöl. Der direkte Import von Palmöl nach Deutschland ist rückläufig und lag im Jahr 2017 bei etwa 1,12 Millionen Tonnen. Zusätzlich wurden weitere 695.000 Tonnen Palmöl als Bestandteil von End- und Zwischenprodukten nach Deutschland importiert. Der Gesamtverbrauch von Palmöl in Deutschland entspricht weniger als zwei Prozent der Weltproduktion.
Obwohl sie aus derselben Frucht gewonnen werden, haben Palmöl und Palmkernöl sehr unterschiedliche Zusammensetzungen. Das Palmkernöl wird aufgrund seiner Konsistenz vor allem in der Süßwarenindustrie eingesetzt. Hoch geschätzt sind seine Eigenschaften als Trägerstoff für Aromen und Vitamine, die ohne Palmkernöl nicht in Lebensmittel eingebracht werden können. Ebenso wird es wegen seiner besonderen Eigenschaften – die sich bei anderen Pflanzenölen nur in Kokosöl finden – von der Kosmetik- und Waschmittelindustrie stark nachgefragt. Palmkernöl wird in Kosmetikprodukten wie Hautcreme und Lippenstift verwendet. Waschaktive Substanzen, die aus Palmkernöl gewonnen werden, stecken als sogenannte Tenside in Shampoos, Wasch- oder Reinigungsmitteln.
Dem United States Department of Agriculture (USDA, 2020) zufolge wurden in 2019 rund 20 Millionen Tonnen Palmkernöl produziert. Von dieser Menge hat Deutschland etwa 0,43 Millionen Tonnen direkt importiert. Weitere 0,09 Millionen Tonnen kamen indirekt durch End- und Zwischenprodukte nach Deutschland. Dies entspricht weniger als acht Prozent der weltweit gehandelten Menge (MEO Carbon Solutions, 2016).
Über 120.000 Tonnen des nach Deutschland importierten Palmkernöls wurden auch hier verbraucht. Die größten Mengen davon wurden 2015 in den Sektoren Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel (WPR) sowie im Kosmetikbereich mit fast 80.000 Tonnen eingesetzt. Weitere Sektoren, in denen Palmkernöl Verwendung findet, sind die Bereiche Lebensmittel mit fast 30.000 Tonnen sowie die Chemie- und Pharmazie-Sektoren. Hier wurden in 2015 etwa 15.000 Tonnen Palmkernöl genutzt. Im Lebensmittelbereich ist der Verbrauch von Palmkernöl damit signifikant um fast 25.000 Tonnen im Vergleich zu 2013 zurückgegangen. Gleichzeitig stieg der Verbrauch von Palmkernöl in den Sektoren WPR und Kosmetik um etwa 10.000 Tonnen.
Palm- oder Palmkernöl können durch aufwändige chemische Umwandlungsprozesse verändert werden. Dabei entstehen sogenannte Derivate, die beispielsweise als Tenside oder Emulgatoren in Kosmetika und Reinigungsmitteln eingesetzt werden. Emulgatoren bewirken, dass zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten wie Öl und Wasser vermengt werden können. Bei Tensiden handelt es sich um waschaktive Substanzen. Derivate aus Palmöl und Palmkernöl sind marktübliche Inhaltsstoffe, für die es derzeit kaum verwendbare Alternativen mit vergleichbaren Eigenschaften gibt.
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