Neben der Selbstverpflichtung seiner Mitglieder setzt sich das Forum Nachhaltiges Palmöl vor allem für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme ein. Die derzeit bestehenden und vom FONAP anerkannten Zertifizierungssysteme sind insoweit ausreichend, als dass sie Mindestanforderungen an eine nachhaltige Palmölproduktion definieren. Dennoch haben alle Zertifizierungsstandards weiteren Verbesserungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Transparenz und den konkreten Anforderungen an die Produktion und die Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Ziel des FONAP und seiner Mitglieder ist daher, Einfluss auf die bestehenden Systeme zu nehmen und Vorschläge zur Weiterentwicklung und Verbesserung dieser zu erarbeiten. Da die vom FONAP anerkannten Zertifizierungssysteme bislang noch nicht alle Forderungen zur Verbesserung berücksichtigen, haben sich seine Mitglieder freiwillig Zusatzkriterien auferlegt. Die seit 2022 geltenden Zusatzkriterien finden Sie hier.
Im Folgenden werden die bislang bestehenden Zusatzkriterien genauer erläutert, zu deren Umsetzung die Mitglieder jährlich berichten:
Der Anbau von Ölpalmen findet in Gebieten rund um den Äquator häufig auf wertvollen Torfböden statt. Torf sind Böden mit mehr als 30 cm organischer Schicht. Diese Böden speichern hohe Mengen an Kohlenstoffdioxid. Laut einer Studie von Rhein (2015) wird durch das Trockenlegen von Torfland fünf- bis sechsmal so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie durch das Abholzen von tropischen Regenwäldern. Am stärksten betroffen sind Indonesien und Malaysia. Im Jahr 2014 befanden sich etwa 20 Prozent aller Ölpalmplantagen in Malaysia auf trockengelegten Moorgebieten (Wetlands International 2010 cf. Chin 2011), während es in Indonesien sogar 25 Prozent aller Plantagen waren (Brandi et al. 2013). Aufgrund dieser Problematik fordert das FONAP ein klares und vollständiges Verbot von Palmöl-Anpflanzungen auf Torfböden jeglicher Tiefe und anderen Böden mit hohem Kohlenstoffgehalt, um die enorme Freisetzung von Treibhausgas einzudämmen und den ökologischen Nutzen von Torfböden zu erhalten. Da diese Forderung derzeit jedoch noch nicht durch alle bestehenden Standards abgedeckt ist 5, setzen sich die Mitglieder des FONAP dafür ein, dass das in ihrer Lieferkette bezogene Palmöl nicht von Neuanpflanzungen auf Torfböden sowie anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt stammt. Dazu gehören Primärwälder, Sekundärwälder und Feuchtgebiete, sowie Flächen mit hohem Schutz- und Erhaltungswert (High Conservation Value, HCV) und hoher Kohlenstoffspeicherung (High Carbon Stock, HCS). Bei Palmöl, das von Plantagen bezogen wird, die bereits auf Torfböden bestehen, muss sichergestellt werden, dass im Rahmen der Neubepflanzung der Plantagen nach 25 Jahren Renaturierungsmaßnahmen vorgenommen oder zumindest in Erwägung gezogen werden.
Aufgrund der mit Pestiziden verbundenen Risiken für Gesundheit und Umwelt setzt sich das FONAP für das Verbot des Einsatzes von hochgefährlichen Pestiziden in der Palmölproduktion ein. Dies bezieht sich insbesondere auf das Unkrautvernichtungsmittel Paraquat, die im Anhang der Konventionen von Rotterdam und Stockholm gelisteten Pestizide und solche, die durch die WHO als „extrem gefährlich“ (WHO Klasse 1A) oder „hochgefährlich“ (WHO Klasse 1B) eingestuft wurden. Insbesondere Paraquat kann schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben (WHO 2009). Daher ist das Pestizid in vielen Ländern, mittlerweile auch in Malaysia, verboten
worden. In Indonesien, dem weltweit größten Produzenten von Palmöl, wird das Pestizid jedoch weiterhin in der Palmölproduktion eingesetzt (Knoke und Inkermann 2015).
Die weltweite Palmölproduktion leistet einen bedeutenden Beitrag zur Freisetzung großer Mengen an gespeichertem Kohlendioxid. Indonesien etwa stand im Jahr 2015 an vierter Stelle der weltweit größten Emittenten von klimaschädlichen Treibhausgasen. Fast 80 Prozent der Emissionen in Indonesien ließen sich auf Entwaldung, Brandrodung, Landnutzungsänderungen und Trockenlegung von Torfböden zurückführen (Rhein 2015). Da die Reduzierung von Treibhausgasen noch nicht als Ziel aller Zertifizierungssysteme festgelegt wurde, nimmt der Palmöl-verwendende Markt eine wichtige Rolle bei der Einforderung der Senkung von Emissionen ein. Darüber hinaus entstehen bei der Palmölproduktion in den Palmölmühlen große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Methan. Dieses kann über angewandte Technologien wie Biogasanlagen aufgefangen und unschädlich gemacht werden. Die FONAP-Mitglieder fordern schon heute von ihren palmölproduzierenden Lieferanten die fortlaufende Reduktion von Treibhausgasen und führen hierzu mit diesen intensive Gespräche.
Die meisten Mühlen die noch nach der Massenbilanzierung produzieren, beziehen bislang sowohl zertifizierte wie auch konventionell hergestellte Ölfrüchte, sogenannte Fresh Fruit Bunches (FFB). Mühlen können so nach Massenbilanz zertifiziertes Palmöl herstellen. Allerdings ist weder die Rückverfolgbarkeit bei konventioneller Ware noch eine Nachhaltigkeit zwangsläufig gegeben. Daher ist es möglich, dass auch Ölfrüchte in die Lieferkette gelangen, die aus illegaler Produktion stammen. Alle Produzenten – große Plantagenbetreiber sowie Kleinbauern – müssen für diejenigen Landflächen, die sie für den Anbau von Ölpalmen nutzen, das jeweilige Landrecht vorweisen können. Darüber hinaus dürfen sie auf den Flächen keinesfalls nach nationalen Gesetzen verbotene Brandrodung betreiben, in Schutzgebieten Anbau betreiben oder indigene Bevölkerungsgruppen von dem Land vertreiben. Sie müssen alle nationalen Gesetze einhalten und keinen Gebrauch von Kinderarbeit auf den Plantagen machen. Halten Produzenten sich nicht an die Gesetze, wird der Anbau von Ölpalmen auf den jeweiligen Flächen als illegal definiert. Problematisch ist, dass Fresh Fruit Bunches aus illegaler Produktion durch unabhängige Dritte wie Zulieferer und Zwischenhändler noch immer unkontrolliert in die Lieferketten zertifizierter Unternehmen gelangen, die den Rohstoff anschließend weiterverarbeiten. Eine Koalition verschiedener Nichtregierungsorganisationen „Eyes on the Forest“ hat in der Provinz Riau in Indonesien zwischen 2012 und 2014 die Lieferkette von illegal produzierten FFBs beobachtet. Die FFBs wurden innerhalb eines geschützten Gebietes in der Provinz Riau angebaut und an Crude Palm Oil (CPO)-Mühlen und -Raffinerien geliefert. Das produzierte Palmöl konnte so in die Lieferketten von weltweit agierenden Palmöl-Lieferanten gelangen. Fehlende verantwortungsvolle Regierungsführung und die geringe Durchsetzung von Rechtsvorschriften in Indonesien begünstigen so großflächige, illegale Waldrodungen und die Entstehung illegaler Palmölplantagen (Eyes on the Forest 2016). Laut des indonesischen Forstministers sind im Jahr 2014 50 Prozent aller Palmölplantagen in der Provinz Riau illegal angelegt worden (ANTARA News 2014). Um dem illegalen Anbau von FFBs entgegenzuwirken, hat das FONAP die Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen auch nicht-zertifizierte Fresh Fruit Bunches ausschließlich aus legalem Anbau beziehen, als Kriterium aufgenommen. Mit Hilfe eines Kontroll- bzw. Verifizierungsmechanismus soll die Legalität der Ware bereits auf Ebene der Plantage sichergestellt werden.
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